Sonntag, 20. August 2017

Chancen und Risiken der Fremdwährungsanleihen

Grundsätzlich ist eine Anleihe die Zahlungsverpflichtung eines Geldnehmers gegenüber dem Geldgeber unter festgelegten Bedingungen. Die Anleihebedingungen beziehen sich auf die Höhe und den Zeitpunkt des Rückzahlungsbetrags, auf die Höhe der zu zahlenden Zinsen, auf den Zeitpunkt der Zinsgutschrift und auf eine Reihe weiterer auch steuerlicher Aspekte. Anleihen-Emittenten können der Staat, Kreditinstitute oder größere private Unternehmen sein. Anleihen können börsennotiert sein. Der Kurswert einer Anleihe steigt dann, wenn die Zinsen im jeweiligen Währungsraum sinken, er sinkt bei steigenden Zinssätzen.

Für Anleger ist vor allem die Bonität des Emittenten wichtig. Auch wenn Anleihen einen erstrangigen Anspruch vor Aktien besitzen, ist der Anlagebetrag bei einer Insolvenz des Geldnehmers in der Regel verloren. Anleihen werden auch als Rentenpapiere und international vor allem als Bonds bezeichnet. Im Euro-Währungsraum werden Anleihen in Euro ausgegeben. An der Börse gehandelte Anleihen können auch in anderen Währungen ausgegeben werden. So ist beispielsweise eine in US-Dollar denominierte US-Staatsanleihe aus Sicht eines deutschen Anlegers eine Fremdwährungsanleihe oder eine Fremdanleihe. Anleger, die eine Fremdanleihe aufnehmen möchten, müssen dabei neben den anderen den Wert des Papiers beeinflussenden Bedingungen immer auch das Wechselkursrisiko des Währungspaares berücksichtigen. Die Wertentwicklung einer börsennotierten US-$-Anleihe hängt nicht nur vom amerikanischen Zinsniveau ab, sondern auch vom Wechselkurs US-Dollar gegenüber dem Euro.

Viele Anleger gehen dieses doppelte Risiko jedoch bewusst ein. Ein höheres Risiko wird oft mit einer höheren Rendite belohnt. Ist das Zinsniveau während der Laufzeit der Anleihe im Fremdwährungsraum höher als im Euro-Raum, wirft die Anleihe eine höhere Rendite für den Anleger ab. Verändert sich im Anlagezeitraum der Wechselkurs zugunsten des Euro, profitiert der Anleger doppelt von der Fremdwährungsanleihe. In der Praxis ist die Veränderung von Wechselkursen zwischen zwei Währungen nur sehr schwer vorauszusagen. Es besteht immer die Gefahr, dass die höheren Zinsen im Fremdwährungsraum durch ein ungünstiges Wechselkursverhältnis zum Zeitpunkt der Zinszahlung oder zum Zeitpunkt der Rückzahlung des Anleihebetrages wieder „verbrannt“ werden. Ein hohes Risiko stellt die Bonität bei Fremdwährungsanleihen dar. So wurden beispielsweise im Jahr 2001 argentinische hochverzinste Staatsanleihen nach einer Insolvenzerklärung des Staates einfach nicht mehr an die Anleger zurückgezahlt.

Mit Rechtsmittel kann ein Anleger dabei im Ausland wenig bewirken. Fremdwährungsanleihen können von spekulativen Anlegern auch als Wettinstrument auf die Entwicklung von Währungskursen eingesetzt werden. Bei einer Doppelwährungsanleihe, die auch vom Bund ausgegeben wird, ist das Wertpapier auf Euro ausgestellt, wird aber bei Fälligkeit in US-Dollar zurückgezahlt. Der Bund geht dabei davon aus, dass der US-Dollar zum Auszahlungszeitpunkt stärker notiert, der Anleger vertritt eine gegenteilige Position. Emerging Market Bonds sind Fremdwährungsanleihen, die von Entwicklungsländern ausgegeben werden und/oder auf deren Währung denominiert sind. Sie weisen in der Regel überdurchschnittlich hohe Zinscoupons auf, werden aber aufgrund geringerer Bonität durch ein höheres Ausfallrisiko gekennzeichnet. Fremdwährungsanleihen sind ein anschauliches Beispiel für das so genannte magische Dreieck, dass Sicherheit, Rendite und Liquidität, also die idealen Anforderungen der Anleger, in der Praxis niemals gleichzeitig optimiert sein können.
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