Dienstag, 23. Juli 2019

Interbanken als Orientierungshilfe beim Tagesgeld

Das Tagesgeldkonto gehört mittlerweile nicht nur zu den bekanntesten, sondern gleichzeitig auch zu den sichersten Anlageformen, die Anleger hierzulande und global betrachtet nutzen können. Der wesentliche Vorteil besteht beim Tagesgeld insbesondere in der hohen Sicherheit, die vor allem durch die Einlagensicherung gewährleistet wird. Zudem müssen Anleger beim Tagesgeld weder ein Kurs- noch ein Währungsrisiko befürchten, falls die Anlage in der eigenen Landeswährung vorgenommen wird. Während die Sicherheit sowie die schnelle Verfügbarkeit die großen Vorteile des Tagesgeldes sind, gilt die inzwischen sehr geringe Rendite als gravierender Nachteil.

Je nach Bank erhalten Anleger immer häufiger nicht einmal einen Zinssatz von 0,5 Prozent, falls sie ihr Geld auf einem Tagesgeldkonto anlegen. Nicht wenige Kunden stellen sich diesbezüglich die Frage, auf welcher Basis die Banken ihre Tagesgeldzinsen eigentlich festlegen. Es gibt hier keine spezielle Richtgröße, die für alle Kreditinstitute verbindlich ist, aber dennoch nutzen die Banken natürlich gewisse Orientierungshilfen. Einer dieser Orientierungspunkte ist in dem Zusammenhang der Interbankenmarkt, denn dieser wird unter anderem dazu genutzt, die Tagesgeldzinsen für die Privatkunden festzulegen.

Vereinfacht dargestellt handelt es sich beim Interbankenmarkt um den Markt, an dem die Kreditinstitute untereinander Geld anlegen oder Geld verleihen. Speziell ist es beim Interbankenmarkt der kurzfristige Bereich, der hinsichtlich der Tagesgeldzinsen von Interesse ist. Viele Kreditinstitute nehmen den Zinssatz, zu dem Banken untereinander kurzfristige Gelder anlegen als Basis dafür, welcher Tagesgeldzins gegenüber den Privatkunden veranschlagt wird. Der Interbankenmarkt ist zwar auch für die Tagesgeldzinsen eine Orientierungshilfe, jedoch stützt dieser sich wiederum ebenfalls auf andere Vorgaben und Verhältnisse. Die wohl wichtigste Bezugsgröße ist nach wie vor der EZB-Leitzins, der im Prinzip maßgebend für den gesamten Finanzbereich ist.

In der Vergangenheit war es immer so, dass niedrige Leitzinsen dazu geführt haben, dass auch die Anlagezinsen auf einem sehr geringen Niveau angesiedelt waren. Dies zeigt sich heute als klassisches Beispiel, denn mit nur noch 0,05 Prozent befindet sich der EZB-Leitzins auf einem absoluten Rekordtief. Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Banken darüber nachdenken, im Anlagebereich sogar Minuszinsen zu veranschlagen. Es könnte also bald passieren, dass Anleger für Guthaben auf Tagesgeldkonten keinen Ertrag mehr erhalten, sondern stattdessen Zinsen an die Bank zahlen müssen.
 
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