Mittwoch, 16. Oktober 2019

Kredite vergleichen - trügerische Zinsen

Den günstigsten Kredit zu finden - das liegt wohl im Interesse eines jeden potentiellen Kreditnehmers. Leider wird hierbei oft der Fehler gemacht, dass die Kunden nur die Zinsen vergleichen, die oft nicht unerheblichen Kreditnebenkosten allerdings außer Acht lassen, und somit letztendlich den für sie günstigsten Kredit, trotz umfassender Suche, gar nicht finden können.

Die Kreditsuche wird den Kunden aber auch oftmals nicht leicht gemacht, denn meist sind die diversen Kreditangebote der Banken gar nicht so richtig miteinander vergleichbar, und zwar auf Grund unterschiedlicher Rahmenbedingungen: so beträgt zum Beispiel einmal die Zinsbindung 15 Jahre, bei der nächsten Bank nur 10 Jahre, bei einer weiteren Bank bzw. deren Angebot ist die Laufzeit kurz und die Rate höher, bei einem anderen Darlehen wiederum ist die Laufzeit lang und die Rate niedrig.

Entsprechend wichtig ist es, dass Kreditinteressenten den Banken, bei denen sie vorsprechen, möglichst konkret die das Darlehen betreffende Eckdaten nennen können, also zum Beispiel die Ratenhöhe, die man monatlich zahlen will bzw. kann, den benötigten Kreditbetrag, die Dauer der gewünschten Zinsbindung und auch sämtliche zusätzlichen Wünsche, wie etwa das Recht auf Sondertilgungen oder die Riester-Förderung vom Staat.

Nur wenn sich die angefragten Banken an die vorgegebenen Rahmenbedingungen halten, lassen sich die diversen Kreditangebote vergleichen - bei denen übrigens immer die effektiven Zinsen angegeben werden müssen. Denn im Effektivzins sind nicht nur der Nominalzins, sondern auch alle anfallenden Kreditnebenkosten wie zum Beispiel Vermittlungsprovisionen, Bearbeitungsgebühren und ein Disagio, enthalten - der effektive Zinssatz ist also als eine Art „Preisschild“ des Kredites zu betrachten.

Zwar berücksichtigt der Effektivzins sogar, dass eine monatliche und keine jährliche Tilgung stattfindet, dafür jedoch ist die Bank nicht dazu verpflichtet, einige wenige Kosten mit in den effektiven Zinssatz mit einzurechnen: dazu zählen neben den Schätzkosten auch die Bereitstellungszinsen, die die Bank dann verlangt, wenn der Kreditnehmer das Darlehen nicht sofort in voller Höhe in Anspruch nimmt (etwa monatlich 0,25 % auf den nicht beanspruchten Kreditanteil).

Vorsicht bei Beleihungsgrenzen, hier erhöhen sich die Zinsen oftmals noch einmal mittels eines Aufschlages. In vielen Fällen liegt die Beleihungsgrenze bei 60% des geschätzten Immobilienwertes, danach wird der Zins um 0,1 oder 0,3 Prozent erhöht.

Besonders kompliziert zu vergleichen jedoch sind die so genannten Kombikredite, also an Sparverträge gebundene Darlehen, wobei das Ziel darin besteht, den Kreditbetrag zum Laufzeitende in einer großen Zahlung mit Hilfe des Guthabens aus dem Sparvertrag zurückzuzahlen. Werden Finanzierungen wie diese staatlich gefördert (Riester), so muss die Bank auch die Versicherungs- und Bausparbeiträge in den effektiven Zinssatz mit einrechnen - dies gilt jedoch nicht für ungeförderte Darlehen, hier werden die Beiträge für die Sparpläne oft nicht mit einbezogen und der Kreditnehmer so über die Kreditkosten hinweggetäuscht.
 
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