Sonntag, 19. August 2018

Vorteile einer Anlage in Zerobonds ohne laufende Verzinsung

Anlegern steht am Finanzmarkt unter anderem auch eine große Auswahl an Anleihen zur Verfügung. Viele Anleger kennen zum Beispiel - nicht zuletzt aufgrund der EU-Schuldenkrise - Staatsanleihen oder auch andere Anleihen, wie zum Beispiel Wandelanleihen oder Auslandsanleihen. Bei den meisten Anleihen ist es so, dass der Inhaber einen regelmäßigen Zins erhält, der in aller Regel einmal im Jahr gutgeschrieben wird. Bezüglich der Zinsen lassen sich die am Markt angebotenen Anleihen in drei Kategorien einteilen.

Den größten Anteil am Gesamtmarkt haben sicherlich die festverzinslichen Anleihen. Hier erhält der Anleger während der gesamten Laufzeit des Wertpapiers einen festen Zinssatz, der sich nicht verändern kann. Die zweite Variante sind die variabel verzinslichen Anleihen. In diesem Fall wird auch ein Zinssatz gezahlt, jedoch wird dieser vom Emittenten regelmäßig an die Marktverhältnisse angepasst. Die dritte Variante ist sicherlich vielen Anlegern gar nicht bekannt. Dabei handelt es sich um Anleihen, die gar keinen Zinssatz beinhalten. Zunächst könnte man natürlich meinen, dass kein Anleger eine solche Anleihe kaufen würde, die keine Zinszahlung beinhaltet. Allerdings ist es bei den sogenannten Zerobonds, auch als Nullkupon-Anleihen bezeichnet so, dass der fehlende Zinssatz durch einen günstigen Ausgabekurs kompensiert wird. So kann der Anleger die Anleihe zum Beispiel zu einem Kurs von 90 Prozent kaufen, muss also für beispielsweise 2.000 Euro Nominalwert lediglich 1.800 Euro aufwenden. Nun stellt sich allerdings die Frage, welchen Vorteil Zerobonds ohne laufende Verzinsung eigentlich haben.

Denn ob der Anleger nun am Ausgabekurs spart und dafür keinen Zinssatz erhält oder bei einer anderen Anleihe den Nominalwert aufwenden muss, dafür aber einen Zinsertrag erhält, ist wirtschaftlich betrachtet oftmals kein Unterschied. Wenn über die Vorteile der Zerobonds gesprochen wird, dann ist festzuhalten, dass der wesentliche Vorteil heutzutage nicht mehr vorhanden ist. Der wesentliche Vorteil kam nur bis zur Einführung der Abgeltungssteuer zum Vorschein und bestand darin, dass der Anleger statt Zinserträge einen Kursgewinn erzielte. Denn wurde die Anleihe zum Beispiel zum Ausgabekurs von 90 Prozent emittiert und später zu 100 Prozent zurückgezahlt, entstand für den Anleger ein Kursgewinn von zehn Prozent. Wurde die Anleihe nun mindestens ein Jahr und einen Tag gehalten, so war dieser Kursgewinn steuerfrei. Ein Zinsgewinn hätte hingegen auf jeden Fall (unter Berücksichtigung des Sparer-Pauschbetrages) versteuert werden müssen. Da jedoch ab Einführung der Abgeltungssteuer auch die Spekulationssteuer weggefallen ist, müssen heute auch solche Kursgewinne ohne Einschränkung versteuert werden, sodass die Zerobonds ihren Hauptvorteil verloren haben.
 
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