Mittwoch, 16. Oktober 2019

Anleihen als Zertifikate

Anleihen als Zertifikate – das klingt sicherlich für die meisten Anleger zunächst einmal relativ unlogisch, da doch eigentlich Anleihen und Zertifikate zwei ganz unterschiedliche Finanzprodukte sind. Dennoch haben diese beiden Produkte mehr Gemeinsamkeiten als im Allgemeinen bekannt ist, vor allem in den letzten Monaten. Hintergrund ist, dass immer öfter die Kreditinstitute inzwischen Anleihen emittieren oder auch Produkte als Anleihe bezeichnen, die von der Struktur im Grunde vielmehr ein Zertifikat darstellen.

Warum greifen die Banken zu dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise? Der Grund liegt darin, dass das Anlegervertrauen in Zertifikate spätestens seit der Finanzkrise deutlich erschüttert ist. Die Folge war ein teilweise starker Nachfragerückgang in der Sparte Zertifikate, nur die Garantiezertifikate bilden hier eine Ausnahme. Dabei meiden viele Anleger die Zertifikate nicht unbedingt wegen dem Inhalt, sondern bereits der Name Zertifikat schreckt ab, weil viele Verbraucher mit dem Begriff des Zertifikats auch hohe Verluste und Risiken verbinden. Und genau darauf reagieren nun die Banken, indem sie praktisch Anleihen verkaufen, welche von der Struktur her nichts anderes mehr als Zertifikate sind.

Ist es aber rechtlich zulässig, dass Anleihen als Zertifikate emittiert werden dürfen? Im Grunde ja, denn in beiden Fällen handelt es sich um Gläubigerpapiere bzw. Schuldverschreibungen, die ein identisches Emittentenrisiko aufweisen. Das Risiko kann dennoch bei einem solchen als Anleihe „getarnten“ Zertifikat höher sein, da es oftmals im Gegensatz zu einer „echten“ Anleihe keine Kapitalgarantie gibt. Ausnahme sind lediglich die Garantiezertifikate, die auch noch unter diesem Namen angeboten werden. Für den Verbraucher bedeutet diese neue Entwicklung, dass genau geprüft werden muss, noch genauer als bisher, welche Bedingungen mit dem Erwerb der „Anleihe“ verbunden werden. Denn inzwischen werden beispielsweise Express-Anleihen oder Discount-Anleihen emittiert, die nahezu identisch mit den bereits bekannten Express- oder Discount-Zertifikaten sind.

Führt man zukünftig einen Vergleich zwischen den Zertifikaten durch, dann müssen wahrscheinlich immer öfter auch Produkte mit der Bezeichnung Anleihe in diesen Vergleich mit einbezogen werden. Wie bereits kurz erwähnt, ist rechtlich zwar nichts gegen diese „Namensänderungen“ der Produkte einzuwenden, aber sicherlich ist es für den Kunden nicht gerade von Vorteil, wenn in der „Verpackung“ mit dem Namen Anleihe nun immer öfter auch ein Zertifikat enthalten sein kann. Eine Hilfe solche „Pseudo-Anleihen“ zu identifizieren ist es sicherlich, auf ungewöhnliche Namen der Produkte zu achten, wie etwa Express-Anleihe oder Basket-Select-Anleihe.
 
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