Sonntag, 8. Dezember 2019

Risikobewertung von Investments in Hebelzertifikate

Bei Zertifikaten haben Anleger heute eine große Auswahl, denn es gibt viele ganz unterschiedliche Varianten. Während sich Anleger, die auf eine möglichst hohe Sicherheit bedacht sind, oftmals für Garantiezertifikate entscheiden, werden zum Beispiel Hebelzertifikate von risikofreudigen Kunden genutzt. Die Hebelzertifikate fallen in den Bereich der Derivate, da sich der Wert des Produktes stets aus dem Wert eines anderen Finanzproduktes ableitet, zum Beispiel aus dem Kurswert einer Aktie. Bevor sich ein Anleger jedoch für ein Hebelzertifikat entscheidet, sollte er wissen, dass es sich hier um die risikoreichsten Zertifikate handelt.

Allerdings steht diesem Risiko natürlich auf der anderen Seite auch die Chance auf eine vergleichsweise hohe Rendite gegenüber. Im rechtlichen Sinne sind Hebelzertifikate nichts anderes als Schuldverschreibungen, die von einem bestimmten Emittenten (meistens eine Bank) herausgegeben werden. Aus dem Grund gibt es bei allen Zertifikaten, somit auch bei den Hebelzertifikaten, ein Emittentenrisiko zu beachten. Wie man in der Vergangenheit aufgrund der Insolvenz von Lehman Brothers sehen konnte, sollte dieses Risiko durchaus nicht außer Acht gelassen werden. Darüber hinaus weist das Hebelzertifikat aber auch noch ein spezielles Risiko auf. Es gibt nämlich keinen „Risikopuffer“, wie es bei vielen anderen Zertifikaten der Fall ist. Der Anleger kann daher auch das gesamte investierte Kapital verlieren, falls sich der Kurs des Basiswertes negativ entwickeln sollte. In vielen Fällen sind die Hebelzertifikate übrigens auch gleichzeitig Turbozertifikate, die es sowohl nicht nur als Call-, sondern auch als Put-Zertifikate gibt.

Der Kunde kann also nicht nur auf steigende Kurse spekulieren, sondern ein Put-Zertifikat ermöglicht es, dass auch auf fallende Kurse gesetzt werden kann. Das wesentliche Merkmal der Hebelzertifikate ist natürlich der Hebel. Da ein Teil des benötigten Kapitals aus Fremdkapital besteht, ergibt sich daraus ein Hebel, sodass der Kunde überproportionale Gewinne erzielen kann. Beinhaltet das Zertifikat zum Beispiel einen Hebel von 4, so würde der Anleger einen Gewinn von 40 Prozent erzielen, falls der Kurs des Basiswertes um zehn Prozent steigt. Die Profis geben sich allerdings kaum mit solch niedrigen Hebeln zufrieden, sondern kaufen Hebelzertifikate mit Hebeln von bis zu 50. Positiv ist übrigens bezüglich der Risiken festzustellen, dass es zumindest keine Nachschusspflicht für den Inhaber des Zertifikates gibt, wie es bei manch anderen spekulativen Investments durchaus der Fall sein kann.
 
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